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Stand: 15.04.2014

Pressemitteilung

Augsburg

Die Dimension Gottes in der kirchlichen Sozialarbeit

Schuldner- und Insolvenzberatung, Allgemeine Sozialberatung, Offene Hilfen für Menschen mit Behinderungen, Betreuungen, Hilfen für psychisch kranke wie auch alkoholkranke Menschen und eine Fachberatung für Senioren. Nicht zu vergessen ist der „Sozialmarkt“ mit seinen günstigen Möbelangeboten, mit dem umfangreichen Sortiment an Second-Hand-Kleidungsstücken, Schuhen, Spielzeugt und gebrauchten Büchern. „Aber“, so Pfarrer Heinrich Weiß, „all die Menschen, die diese Hilfen suchen, tragen auch etwas in ihrer Seele mit sich herum. Dafür bin ich da, und ich tue es gerne.“ Er hat viele Aufgaben. Er ist Seelsorger für die Tagesstätten der Caritas, für die Flüchtlingsunterkunft ‚Haus Noah‘ und  Hausgeistlicher für das Caritas-Seniorenzentrum St. Raphael in Augsburg. Jeden Donnerstag ist er aber in der Depotstraße von zehn bis 11.30 Uhr anzutreffen. Seine Aufgabe ist es da und bereit zu sein, mit den Menschen zu sprechen und – wenn es sich ergibt - ein seelsorgliches Gespräch zu führen.

Pfarrer Weiß ist in der großen Eingangshalle anzutreffen. Dort, wo alle durchgehen, egal wohin sie gehen

Pfarrer Heinrich Weiß im Gespräch mit einer Familie. Pfarrer Heinrich Weiß im Gespräch mit einer Familie. Kathrin Seemüller

wollen oder müssen. Eine Couch ist seine Insel. Man findet sie seitlich von der Treppe, die in den ersten Stock führt. Sie ist nichts anderes als eine weitere Sitzgelegenheit neben den Tischen und Stühlen des Café Werthmanns, wo von Montag bis Freitag täglich nahezu 300 Gäste kommen. Diese „Insel“ ist da und erkennbar, sie drängt sich aber nicht auf. Pfarrer Weiß versteht auch so seinen Dienst. Manchmal kommen Frauen oder Männer zu ihm, weil die Beraterinnen und Berater der Caritas ihre Klienten darauf aufmerksam machen. Sie spüren, dass nicht nur ein fachlich-praktisches Problem die Menschen drückt, sondern auch ein seelisches. Pfarrer Weiß mischt sich auch gerne selbst unter die Menschen, die in die Depotstraße kommen. „Auch daraus entsteht nicht selten ein sehr tiefgehendes Gespräch“, erzählt der Geistliche.

Dabei gehe es darum, wie sie aus ihrem Glauben oder ihrer Weltsicht heraus, ihre Lebenssituation sehen. „Wie soll ich damit umgehen?“ Diese Frage treibe eben nicht nur Christen um, sondern auch Nicht-Christen, Menschen, die mit dem Glauben wenig am Hut haben, und solche, die eine andere Religion haben wie zum Beispiel Muslime. Pfarrer Weiß hat als katholischer Priester kein Problem damit. „Ich bin hier an dieser Stelle dafür da, das Vertrauen zu wecken und dabei zu helfen erspüren zu können, dass jeder Mensch sich Gott anvertrauen kann. Ich will im Gespräch die Dimension Gottes eröffnen.“ Manchmal gelinge es ihm gut, manchmal sei es schwierig.

Die Begegnungen bleiben ihm unvergessen. Zwei hebt er hervor. Einmal sprach er eine syrische Familie an, die hier für ihre kleine Wohnung Möbel kaufen wollte. Er stellte sich ihnen vor und sagte ihnen, dass er „so was wie ein Imam sei“. „Da ging bei ihnen das Herz auf. Und wir konnten uns, ihr Schicksal und ihre Zukunft im Gebet gemeinsam „dem Barmherzigen anvertrauen“. Für Pfarrer Weiß  als Christen ist das die entscheidende Brücke zu Muslimen. Im Koran stehe das Wort Barmherzigkeit für „Allah“, wie Muslime Gott benennen. Eine Begegnung mit einem Mädchen hat ihn tief bewegt. Es war mit ihrer Mutter da. Sie erlaubte ihrer Tochter, zwei Bücher mitzunehmen, denn es liest sehr gerne. Es entdeckte aber auch ein Comic-Heft. Doch dafür konnte sie ihre Mutter nicht gewinnen, weil sie kein Geld dafür hatte. So war das Mädchen traurig. Pfarrer Weiß wandte sich an das Mädchen: „Darf ich Deine Mama fragen, ob ich Dir das Comic-Heft schenken darf?“ Das Mädchen war glücklich, ihre Mutter stimmte zu. Und dann das entscheidende Erlebnis. Das Comic-Heft kostete nur 80 Cent. Er hatte ihr aber einen ganzen Euro gegeben. Das Mädchen kam zu ihm und gab ihm das Wechselgeld zurück. „Diese Bescheidenheit, Aufrichtigkeit und Dankbarkeit, das erlebe ich nicht oft“, erzählt Pfarrer Weiß begeistert.

Vieles wird ihm erzählt, viel Freude auch mit ihm geteilt. Eine junge Familie hatte ihr Neugeborenes dabei und dankte Gott im gemeinsamen Gebet mit ihm für dieses Geschenk. Doch nicht auf alle Probleme hat er eine Antwort. Nicht immer kann er Hoffnung mit auf den Weg geben. „Die Menschen, die hierher kommen, haben es nicht einfach“, so Pfarrer Weiß. „Wenn ich nicht helfen kann, vertraue ich in meinem Beten die Anliegen der Mutter Gottes, der Knotenlöserin, an und abends im Nachtgebet wünscht er allen, denen er begegnet ist, den Segen Gottes. Denn wie heiße es in der Bibel? „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt.“ (Matthäus 4, 4)