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Stand: 15.04.2014

Pressemitteilung

Augsburg

"Ein sehr leuchtender Tag""

 Sie tragen alle zusammen den gemeinsamen Namen Haus Noah. Nur acht Monate dauerte die Bauzeit. Die Zimmer sind eingerichtet, Stahlbetten aufgestellt, alte Bundeswehrspinde warten bereits auf die Bewohner, die Ausstattung ist gut, aber bescheiden. Auch die Gemeinschaftsküchen sind eingebaut. Nur die Außenanlagen müssen noch fertiggestellt werden.

Am Freitag übergab nun der Caritasverband die Unterkünfte an die Stadt. Wenn man auch bei der Übergabe mit großer Dankbarkeit und Zufriedenheit auf die Vorbereitungs- und Bauphase zurückblickte, für Dr. Walter Semsch, Geschäftsführer des Augsburger Caritasverbandes, beginnt nun die "Hauptarbeit der Integration". Von Beginn des Bezuges sollen dort Sprach- und Integrationskurse angeboten werden.

Die vier Häuser in ihrem sanften Rot- und Gelbtönen schmiegen sich an der Friedrich-Ebert-Straße an ihre Umgebung. Auf der einen Seite die katholische Kuratie mit Kirche und Pfarrsaal, dahinter die Sportplätze der Friedrich-Ebert-Volksschule, daneben das Familienzentrum der St. Gregor-Waisenhaus-Stiftung und in der Nähe die evangelische Kirche. Göggingen hat damit wie die anderen Augsburger Stadtteile nun auch eine Flüchtlingsunterkunft. "Die gerechte Verteilung von Flüchtlingen in unserer Stadt war unser Anliegen gewesen, als wir hier in Göggingen angefangen haben, über das Bauprojekt nachzudenken", sagte Sozialreferent Dr. Kiefer in seiner Rede. Er hatte Dr. Semsch von der Caritas angerufen und um Hilfe gebeten. "Und unsere Kirchen reagierten und unterstützen das", sagte Dr. Semsch. Heute bilden diese vier Häuser "die besten Unterkünfte", sagte Dr. Kiefer.

2,5 Mio. Euro kostete das Bauvorhaben. Der Kostenrahmen, der für ein derartiges Projekt ohnehin im unteren Bereich liege, sei dabei exakt eingehalten worden, wie Architekt Dr. Stefan Schraml sagte. 850.000 Euro kamen vom Bistum Augsburg. Bischof Dr. Konrad Zdarsa hatte sich persönlich dafür eingesetzt. Den Rest finanziert die Caritas aus Eigenmitteln und Mieteinnahmen. Die Stadt finanziert den Kümmerer Jörg Brecheler, der Caritas-Stadtverband den Hausmeister Karl-Heinz Schatz und das Bistum der Freiwilligen-Koordinatorin Corinna Hampf. Sie werden für das gute Miteinander in den Häusern wie auch mit dem sozialen Umfeld kümmern. Der katholische Pfarrer Heinrich Weiß wird dort für Seelsorgegespräche bereit stehen.

Dr. Kiefer betonte eigens die langfristige Planung für die Anlage. Nach der Nutzung der Häuser als dezentrale Unterkünfte für Flüchtlinge sollen diese für sozial schwache Familien genutzt werden. "Es wird auch dadurch niemandem Wohnraum genommen, es wird auch niemand bevorzugt", unterstrich er. Diese Häuser seien kein Grund für Sozialneid. Die "äußerst fruchtbare und angenehme Zusammenarbeit bei diesem Projekt in der Friedrich-Ebert-Straße will der 3. Bürgermeister der Stadt Augsburg und Sozialreferent fortsetzen und gemeinsam mit den Kirchen und deren Wohlfahrtsverbänden die Situation für Obdachlose neu bedenken.

In jeder Rede wurde die Zusammenarbeit gelobt wie auch die hohe Einsatzbereitschaft der Handwerker der zum Einsatz gekommenen inhabergeführten Betriebe aus der Region. Triebfeder für das Projekt war aber immer wieder Dr. Semsch selbst. Er war fest jeden Tag auf dem Bau, schaute nach, führte Jour-Fixe-Termine für alle am Bau beteiligten ein, um Woche für Woche alles im Detail zu besprechen, was an Arbeiten ansteht. Dr. Semsch‘ Anliegen ist aber tiefer begründet. Vor 30 Jahren hätte er in den Räumen der Kuratie Flüchtlinge aus Senegal dort gesprochen. Seine Lehre daraus, dass es bei Flüchtlingsfragen eigentlich nur um ein Thema gehe, nämlich um "Armutsbekämpfung". "Wir müssen diese Menschen annehmen, ihnen eine Chance geben und dadurch die Welt um ein Stück wieder besser zu machen", sagte der Caritas-Geschäftsführer.

Für ihn habe es deshalb keinen Grund zur Zögerung gegeben, als Dr. Kiefer ihn um Hilfe fragte. Sich der Armut anzunehmen, "das gehört zur Kirche". Die Lage direkt neben der katholischen Kuratie sei für ihn ein wichtiges und richtiges Symbol. Für Dr. Kiefer war die Übernahme der Flüchtlingsunterkünfte ein erfreulicher Anlass. "Heute ist ein sehr leuchtender Tag. Wir feiern heute ein sehr gutes Ergebnis".